Der Ausländerrat Dresden e.V. lädt am 4. April 2011 um 18 Uhr auf den Jorge-Gomondai-Platz am dortigen Gedenkstein zu einer Gedenkstunde ein. Der Tod Jorge João Gomondais, der an den Folgen eines rassistischen Angriffs starb, jährt sich in diesem Jahr zum 21. Mal.
"Mit der alljährlichen Aktionswoche mahnen wir an, dass Rassismus und Gewalt in unserer Gesellschaft niemals toleriert werden dürfen. Immer wieder werden Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrer Religionszugehörigkeit diskriminiert und angegriffen. Ein Großteil der rassistischen Taten, bei denen Menschen anderen Aussehens oder anderer Sprache angespuckt, beschimpft und bedrängt werden, taucht in den meisten Statistiken nicht auf. Dieser Alltagsrassismus ist für uns jedoch das eigentliche Problem. Er ist nicht immer politisch motiviert, sondern entspringt zumeist einer viel zu weit verbreiteten Feindlichkeit gegenüber Menschen anderer Herkunft. Viel zu oft gipfeln Pöbeleien in gewalttätigen Angriffen, die wie bei Jorge Gomondai oder Marwa El-Sherbini sogar tödlich enden können", erläutert Sebastian Vogel, Vorsitzender des Ausländerrates. "Wenn Dresden als Stadt weltoffen sein möchte, so muss jeder Dresdner offenherzig gegenüber Mitmenschen sein und beherzt dazwischen gehen, wenn wieder einmal gegen "Andere" gehetzt wird."
In diesem Jahr organisiert ein Bündnis für die Zeit um den 6. April 2011 eine Gedenkwoche. Neben verschiedenen Veranstaltungen wird auf ungewöhnliche Art am Albertplatz auf den Mord vor 21 Jahren aufmerksam gemacht.

Am 6. April 1991 starb in Dresden der 28jährige Mosambikaner Jorge João Gomondai infolge eines brutalen rassistischen Überfalls. Am Ostersonntag fand ihn eine Straßenbahnfahrerin gegen 4 Uhr blutüberströmt auf der Straße in der Nähe des damaligen Platzes der Einheit (heute Albertplatz). Sie hatte gehalten, nachdem sie während der Fahrt feststelle, dass eine Tür der Bahn geöffnet worden war. Einige Tage später erlag Jorge João Gomondai im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Ermittlungen führten sehr bald zur rechtsradikalen Szene. Die jugendlichen Täter hatten Gomondai gehetzt und zum Sprung aus der fahrenden Straßenbahn gezwungen. Im Prozess 1993 wurden vergleichsweise milde Urteile verhängt.
Im März 1992 rief der Ausländerrat Dresden e.V. dazu auf, den Jahrestag der Bluttat als eine Mahnung gegen Rassismus und rechtsradikale Gewalt zu begehen. Ein Vorbereitungskreis Dresdner Vereine und Kirchen organisierte die erste Gedenkfeier und einen Schweigemarsch. In den folgenden Jahren erweiterte sich der Vorbereitungskreis um Vertreter der Kreuzkirche, des Ökumenischen Informationszentrums und der Gewerkschaften, ebenso arbeiteten die Ausländerbeauftragte, Studenten, Jugendinitiativen sowie Vertreter verschiedener Parteien aktiv mit.
Der Gedenktag an Jorge Gomondai ist mittlerweile zu einem festen Datum in Dresden geworden. Am 31. März 1993 enthüllten Vertreter des Ausländerrates gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister der Stadt an der ehemaligen Wohnstätte des Opfers eine Gedenktafel. Auf Beschluss des Vorbereitungskreises und mit Unterstützung des damaligen OB wurde am 1. April 1993 ein Gedenkstein am Dresdner Albertplatz aufgestellt.
Nach einem Vorschlag des Ausländerbeirates der Stadt Dresden beschloss der Stadtrat 2006 die Benennung des Platzes in unmittelbarer Nähe des Tatortes in Jorge-Gomondai-Platz. Er wurde am 30. März 2007 im Beisein der Mutter und eines Bruders von Jorge Gomondai sowie des mosambikanischen Botschafters eingeweiht.
Der 1990 gegründete Ausländerrat Dresden e.V. setzt sich für die Interessen von Menschen mit Migrationshintergrund in Dresden ein. Ziel seiner Arbeit ist die Förderung der kulturellen, sozialen und politischen Integration von Migranten und der Stärkung ihrer Selbstvertretung. Das Internationale Begegnungszentrum (IBZ) beherbergt eine Beratungsstelle für Migranten sowie Kinder- und Jugendarbeit.
Programm der Gedenkwoche:Friedensgebet anlässlich des Tode von Jorge Gomondai,
Montag, 02.04.2012, 17 Uhr, Kreuzkirche
Filmvorführung „Jorge - Tod eines Vertragsarbeiters“
Dienstag, 03.04.2012, 19 Uhr, Ausländerrat Dresden e.V., Heinrich-Zille-Str. 6
Kundgebung am Gedenkstein,
Mittwoch, 04.04.2012, 18 Uhr, Jorge-Gomondai-Platz
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